Blogbeitrag

Daten-Challenge zum Digitalhaushalt gestartet

Dr. Lukas Birkenmaier über das Potenzial von offenen Daten zu den Digitalausgaben des Bundes

Deutschland diskutiert seit Jahren über digitale Souveränität, Verwaltungsmodernisierung und milliardenschwere Investitionen in Digitalisierung. Doch auf eine einfache Frage gibt es bis heute keine klare Antwort: Wie viel Geld gibt der Bund eigentlich für Digitalisierung aus? Und wofür genau?

Die ernüchternde Antwort lautete bisher: Niemand weiß es genau. Weder Bundesregierung noch Bundestag verfügen bislang über einen vollständigen, systematischen Überblick über die Digitalausgaben des Bundes.

Genau hier setzt unser Projekt zum Digitalhaushalt an und nun auch unsere erste Daten-Challenge, die letzte Woche offiziell gestartet ist.

Der offene Datensatz zum Digitalhaushalt ist mittlerweile seit einiger Zeit öffentlich verfügbar und hat bereits verschiedene Analysen ermöglicht, etwa zum IT-Zustimmungsvorbehalt des Digitalministeriums oder zur Förderpolitik des Bundes. Unser neues Dashboard ermöglicht euch einen leicht zu bedienenden Überblick über den Datensatz. Gemeinsam mit dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat unser Projektteam dafür mehr als 20.000 Haushaltstitel der Jahre 2019 bis 2025 systematisch aufbereitet und als Schätzung der Digitalausgaben des Bundes veröffentlicht.

 

Doch trotz dieser ersten Analysen steckt weiterhin viel ungenutztes Potenzial in den Daten. Genau darum geht es bei der Daten-Challenge Digitalhaushalt: neue Fragestellungen entwickeln, bislang unsichtbare Muster identifizieren und neue Perspektiven auf den Digitalhaushalt sichtbar machen.

 

24 Teilnehmende aus 11 Teams werden innerhalb von drei Wochen mit dem Datensatz arbeiten. Mit dabei sind Studierende, Forschende sowie Teams der Zivilgesellschaft. Dabei setzen die Teams der Daten-Challenge eigene inhaltliche Schwerpunkte, zum Beispiel dazu, welche Ressorts besonders transparente Haushaltstitel verwenden, wie sich Fragmentierung in Förderstrukturen erkennen lässt oder welche Visualisierungen helfen können, die Komplexität des Digitalhaushalts verständlicher darzustellen.

 

Die Herausforderung ist dabei nicht klein: Digitalausgaben verteilen sich über hunderte Haushaltstitel, unterschiedliche Ressorts und teils sehr vage Beschreibungen. Gerade deshalb sind offene und maschinenlesbare Daten entscheidend. Denn wer Digitalisierung politisch steuern will, muss nachvollziehen können, wohin öffentliche Mittel fließen, wo Doppelstrukturen entstehen oder welche Projekte langfristig gefördert werden.

 

Die Daten-Challenge versteht sich bewusst als offenes Experiment. Es geht nicht um perfekte Modelle oder abschließende Wahrheiten. Im Mittelpunkt stehen neue Perspektiven auf den Bundeshaushalt – und die Frage, welche Erkenntnisse möglich werden, wenn staatliche Daten offen, maschinenlesbar und frei nutzbar bereitgestellt werden.

 

Die Abschlussveranstaltung mit Kurzvorstellung der Ergebnisse und Preisverleihung findet am 18. Juni von 17:00 bis 18:30 Uhr in Berlin und online statt. Wer digital dazukommen möchte, kann sich unter events@agoradigital.de formlos anmelden.

 

Unsere Jury aus Dr. Franziska Brecht, Chief Data Scientist im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Thilak Mahendran, Abteilungsleiter Föderales IT-Architektur- und Standardisierungsmanagement und Cybersicherheit bei der FITKO und Dr. Stefan Heumann, Geschäftsführer der Agora Digitale Transformation, vergibt zwei Preise für die „Besten Erkenntnisse“ sowie die „Beste Visualisierung“.

 

Denn effektive und demokratische Digitalpolitik braucht nicht nur neue Technologien. Sie braucht auch bessere Daten darüber, was der Staat eigentlich tut.

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