Ein Foto reicht: Schon ein einzelnes Bild genügt inzwischen, um mit frei verfügbaren Apps pornografische Deepfakes zu erstellen. Beim Online-Event am 28. September 2026 stellte Ben Shultz (Data Fellow bei der Agora Digitale Transformation & Lead Researcher beim American Sunlight Project) die erste systematische europäische Studie zu nicht-einvernehmlicher Deepfake-Pornografie unter Abgeordneten nationaler EU-Parlamente vor.
Von knapp 6.000 untersuchten Abgeordneten fanden sich 147 auf einschlägigen Webseiten, darunter 138 Frauen und 9 Männer. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren sind Frauen 33-mal häufiger betroffen, etwa jede 14. Frau gegenüber einem von 500 Männern. Besonders relevant: Neben tatsächlichen Deepfakes identifizierte die Studie sogenannte „Gateways“, die Fotos und Biografien direkt mit Nudifier-Apps verknüpfen, sowie das Problem, dass Suchmaschinen Ergebnisse zu gelöschten Seiten weiterhin anzeigen. Bestehende Gesetze greifen bislang nur bei bereits veröffentlichten Inhalten, nicht an dieser Infrastruktur. Das Problem betrifft alle politischen Lager. Ob besonders polarisierend auftretende Politikerinnen stärker betroffen sind, ließ sich aus den Daten nicht abschließend klären.
Donata Vogtschmidt, MdB und digitalpolitische Sprecherin der Linksfraktion, ordnete die Ergebnisse politisch ein. Sie verwies auf offene Haftungsfragen bei KI-generierten Inhalten, sprach sich für mehr Schutz bereits im Produktdesign aus und kritisierte, dass ein Gesetz gegen digitale Gewalt weiterhin aussteht. Diskutiert wurden zudem Grenzen einzelner Gegenmaßnahmen sowie die Abhängigkeit von US-amerikanischen Digitalkonzernen bei der Rechtsdurchsetzung.
Ben Shultz
Data Fellow Agora Digitale Transformation und Lead Researcher American Sunlight Project
Donata Vogtschmidt, MdB
Sprecherin für Digitalpolitik und Cybersecurity der Linksfraktion im Bundestag
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