Zwei Drittel der Deutschen nutzen KI-Systeme regelmäßig zur Informationssuche, nur ein Viertel prüft die Quellen der Antworten. Damit werden diese Systeme zu neuen Gatekeepern der Nachrichtenvermittlung. Beim Online-Event am 8. Juli 2026 stellte Dr. Vivien Benert (Agora Digitale Transformation) eine Studie vor, die erstmals systematisch untersucht hat, welche Quellen fünf große KI-Systeme bei Nachrichtenanfragen heranziehen.
Die Auswertung von rund 4.800 Links zeigt eine deutliche Konzentration. Wenige Domains werden sehr häufig zitiert, die Hälfte der erfassten Quellen dagegen nur ein einziges Mal. Bestehende Aufmerksamkeitsverteilungen werden damit eher verstärkt als aufgebrochen. Die Kooperation zwischen Axel Springer und OpenAI schlägt sich sichtbar in der Quellenauswahl von ChatGPT nieder, ohne dass Nutzende während der Anfrage davon erfahren. Zu Klima und Migration ziehen die Systeme im Schnitt weniger Quellen heran als zu anderen Themen. Neben journalistischen Angeboten finden sich Blogs, Staatsmedien und ein russisches Desinformationsnetzwerk, ohne dass die Unterschiede erkennbar wären. Nach welchen Kriterien im laufenden Betrieb ausgewählt wird, legt kein Anbieter offen.
Dr. Anna Lührmann MdB, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung, sieht bei KI-Chatbots inzwischen mehr Handlungsbedarf als bei Social Media. Als Ansatzpunkte nannte sie die anstehende Revision der EU-Urheberrechtsrichtlinie, eine Digitalabgabe, das Kartellrecht und eine nationale Medienkompetenzstrategie. Im Anschluss folgte eine Diskussion mit dem Publikum.
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